I am nature (A Rush of Blood)
i am nature ist eine einkanalige Videoarbeit, die den menstruierenden Körper als fluides Ökosystem versteht – als ein zyklisches, immer wiederkehrendes Terrain von Auflösung, Transformation und Erneuerung. Die Arbeit nähert sich Menstruationsblut nicht als Tabu oder als Zeichen von „Unreinheit“, sondern als lebendiges Material, das Prozesse von Fermentation, Zersetzung und Wiederentstehung sichtbar macht.
Im Zentrum steht der Gedanke, dass der menschliche Körper kein abgeschlossenes, reines, kontrollierbares System ist, sondern ein durchlässiges Gefüge aus Stoffwechsel, Wandel und symbiotischen Beziehungen. i am nature verweigert damit die kulturell tief verankerte Idee der Reinheit: jene binäre Vorstellung, die Blut als „abweichend“ markiert, Körperflüssigkeiten hierarchisiert und weiblich gelesene Körper entlang moralischer Sauberkeitsnormen bewertet. Stattdessen lädt das Werk zu einer Betrachtung ein, in der „Verfall“ als radikaler Ort von Wissen, Kraft und Naturverbindung verstanden wird.
Die Videoarbeit setzt digitale Bildsprache ein, um organische Prozesse poetisch zu abstrahieren. Das Blut erscheint nicht als schockierendes oder medizinisch kodiertes Element, sondern als Pigment, Textur, Farbe – als Material, das sich im Bildraum wie ein fermentierendes Medium verhält: aufbrechend, fließend, sedimentierend, in sich arbeitend. Der digitale Screen wird zur Projektionsfläche eines inneren, körperlichen Ökosystems, in dem Auflösung und Neubildung simultan existieren.
In dieser hybriden Zone entsteht ein posthumanes Verständnis von Körperlichkeit: Der Körper wird weder als individuelles Territorium noch als reine biologische Maschine gefasst, sondern als sympoietischer Prozess – ein Mit-Werden mit Zeit, Temperatur, Hormonen, Emotionen und digitaler Oberfläche. „Making-with“ zeigt sich hier in der Verschränkung des physischen Materials mit seiner digitalen Transformation: Die Kamera, der Screen und die Betrachter*innen werden Teil eines gemeinsamen Stoffkreislaufs.
i am nature formuliert damit eine feministische Geste der Rückeroberung. Es ist ein Stillwerden im Blick auf das, was gemeinhin verborgen wird. Die Arbeit zeigt, dass Zersetzung nicht Zerfall bedeutet, sondern Öffnung: eine Mikro-Rebellion gegen Reinheitsmythen und gegen die Vorstellung, künstlerische oder biologische Produktion sei ein isolierter Prozess.
In einer Zeit, in der Körper zunehmend technologisch vermittelt werden, erinnert i am nature daran, dass Natur nicht „da draußen“ beginnt, sondern im Innersten des Körpers fermentiert. Die Arbeit lädt das Publikum ein, Verwandlung nicht als Ausnahme, sondern als alltägliche, schöpferische Notwendigkeit zu betrachten.
Hair & Drops C-Print auf Alu Dibond 30x40 oder 60x80
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Nature Paintings Leinen auf Keilrahmen 30x40 oder 60x80
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